Zwei für den Betrieb im Umspannwerk gehärtete Server, beide nach IEC 61850-3 und IEEE 1613 zertifiziert, beide dafür gebaut, Schutz-, Automatisierungs- und Leittechnik virtualisiert zu betreiben. Sie konkurrieren nicht miteinander. Sie beantworten unterschiedliche Anforderungen, und die Spezifikation der vPAC Alliance erklärt besser als jedes Datenblatt, warum das so ist.
Zuerst ein Blick auf die Profile Levels
Die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird, lautet: Welcher der beiden ist der bessere? Es ist die falsche Frage, und der Grund dafür steht in der Hardware-Spezifikation der vPAC Alliance.
Als die Arbeitsgruppen der Alliance den Hardware-Teil geschrieben haben, haben sie nicht einen Server definiert. Sie haben vier Profile Levels definiert, weil Umspannwerke und Schaltanlagen eben nicht alle gleich sind. Eine Ortsnetzstation an einem ländlichen Abzweig und ein 380-kV-Umspannwerk im Übertragungsnetz haben beim Schrankplatz, bei der Kühlung, bei der Rechenlast und bei der Zahl der Funktionen, die an einem Ort zusammenlaufen müssen, praktisch nichts gemeinsam. Eine einzige Maschine für beides zu spezifizieren hätte bedeutet, die eine zu überdimensionieren und die andere zu unterversorgen.
Die Levels sehen so aus:
| Profile Level | Charakteristik |
| Level 1 | ist das kleinste, sparsamste und am stärksten gehärtete Profil. Lüfterlos und so dimensioniert, dass es neben den numerischen Schutzgeräten Platz findet, die ohnehin im Schrank sitzen. |
| Level 2 | ist ebenfalls lüfterlos und robust ausgelegt, hat aber mehr Bauvolumen und kann deshalb mehr Wärme von CPU, Speicher und PCIe-Subsystem abführen. Gedacht für mittelgroße Anlagen, in denen lüfterloser Betrieb gesetzt ist. |
| Level 3 | hat eine ähnliche Bauform wie Level 2, aber mit Lüftern. Aktive Kühlung erlaubt Komponenten mit engerem Temperaturbereich, vor allem PCIe-Karten, und die thermische Reserve lässt sich in mehr Speicher, eine größere CPU oder Beschleunigerkarten umsetzen. |
| Level 4 | ist das größte und leistungsfähigste Profil. Lüfter, größtes Bauvolumen und ausdrücklich vorgesehen für zentralisierte Schutz- und Leittechnik in mittleren und großen Umspannwerken sowie für Anlagen mit nennenswerten KI- und ML-Lasten. |
Tabelle 1 – Die vier Hardware-Profile der vPAC Alliance.
Ein Satz in der Spezifikation wiegt schwerer als jeder Einzelparameter: Die Levels unterscheiden sich, aber jedes Level ist auf dieselben Architektur-, Software- und Cybersecurity-Anforderungen ausgelegt. Eine Level-2-Maschine und eine Level-4-Maschine sind keine zwei Welten. Dieselbe Virtualisierungsschicht, dieselben vIED-Images, dieselben Management-Werkzeuge, dasselbe Sicherheitsmodell.
Genau darum geht es, und deshalb ist das hier eine Frage der Dimensionierung und keine strategische Weichenstellung.
Der RSAPC Mk2 entspricht Profile Level 2, der RSAVP Profile Level 4.
Dafür entwickelt, nicht daran angepasst
Bevor es um die Unterschiede geht, lohnt der Blick auf die Gemeinsamkeiten, denn die sind es, die beide Geräte von den Alternativen trennen.
Beide Maschinen wurden von der ersten Skizze an als Plattformen für das digitale Umspannwerk gezeichnet, mit vPAC im Lastenheft und nicht als späterer Punkt auf der Roadmap. Das klingt nach Marketing, deshalb hier, was es konkret bedeutet.
Die Zertifizierungen standen am Anfang, nicht am Ende. IEC 61850-3 und IEEE 1613, in Deutschland als DIN EN 61850-3 geführt, sind keine Etiketten, die man einem fertigen Entwurf aufklebt. Sie bestimmen Potentialtrennung, Stoßspannungsfestigkeit, EMV-Verhalten neben spannungsführender Schaltanlage, Schwingungsfestigkeit und Kriechstrecken. Diese Entscheidungen fallen beim ersten Leiterplattenlayout und bei der ersten Gehäusezeichnung. Nachträglich lässt sich das nur mit einem Neuanfang korrigieren.
Die Auswahl der Bauteile entscheidet mehr als das Blockdiagramm. Zwei Server können auf dem Papier gleich aussehen und sich im Umspannwerk völlig unterschiedlich verhalten, weil die Entscheidung in den Bauteilen liegt. Sind Speicher, Datenträger und Netzwerk-Controller für den Dauerbetrieb bei hohen Temperaturen freigegeben oder nur für die Büroumgebung? Setzt der Netzwerk-Controller Zeitstempel in Hardware oder überlässt er das der Software? Solche Bauteile kosten mehr und sind schwerer zu beschaffen, und sie sind der Grund, warum ein Gerät nach acht Jahren im Umspannwerk noch das tut, was im Datenblatt steht.
Dazu kommt die Verfügbarkeit über die Zeit. Ein Bauteil, das in fünf Jahren abgekündigt wird, macht die Zertifizierung faktisch wertlos, weil jeder Ersatztyp eine erneute Prüfung nach sich zieht. Bauteilauswahl ist deshalb bei uns keine Aufgabe des Einkaufs am Ende der Entwicklung, sondern eine Auslegungsentscheidung am Anfang.
Der mechanische Aufbau folgt dem Schaltanlagenschrank. Einbautiefe, Höhe, Befestigung und Lage der Anschlüsse sind auf das ausgelegt, was tatsächlich in einem Schaltanlagengebäude steht, und nicht auf ein Rechenzentrums-Rack, das zufällig einen Meter tief ist.
Die Versorgung folgt der Anlage. Beide Maschinen nehmen modulare Netzteile auf, die mit der Stationsgleichspannung arbeiten. Die Plattform hängt damit wie alles andere im Gebäude an der Anlagenbatterie. Der Mk2 geht einen Schritt weiter: Bestückt man ihn mit einem HVDC/AC-Modul und einem DC-Modul, wird der Server gleichzeitig aus der Eigenbedarfs-Wechselspannung und aus der Batterie gespeist. Das ist Quellenredundanz und nicht nur Geräteredundanz, und solche Anforderungen entstehen nur, wenn bei der Gehäusespezifikation Leute aus der Anlage mit am Tisch sitzen.
Und wir saßen mit am Tisch. Welotec ist Mitglied im Steering Committee der vPAC Alliance und arbeitet in der Hardware-Arbeitsgruppe mit. Die Profile Levels und diese beiden Produkte sind also nebeneinander entstanden und nicht eines dem anderen hinterher.
Gehärtete IT-Hardware lässt sich so weit ertüchtigen, dass sie ein Umspannwerk übersteht. Das ist etwas anderes, als für ein Umspannwerk entwickelt zu sein, und der Unterschied zeigt sich Jahre später in der Ausfallstatistik, nicht im Datenblatt.
RSAPC Mk2: Das lüfterlose Arbeitstier
Der RSAPC Mk2 ist ein lüfterloser 19-Zoll-Rackserver mit 2 HE. Keine beweglichen Teile im gesamten System. Die Kühlung erfolgt vollständig passiv über ein Heatpipe-Design, der Betriebstemperaturbereich reicht von −40 bis +70 °C.
Zwei CPU-Optionen
| CPU | Kerne / Threads | Basis / Turbo | L3-Cache |
| Intel Xeon W-11555MLE | 6 / 12 | 1,9 / 4,4 GHz | 12 MB |
| Intel Xeon W-11865MLE | 8 / 16 | 1,5 / 4,5 GHz | 24 MB |
Tabelle 2 – CPU-Optionen des RSAPC Mk2.
Beide sind Tiger-Lake-H-Prozessoren der 11. Generation mit zugesagter Verfügbarkeit bis 2035, also mit einem deutlich längeren Beschaffungshorizont, als ihn industrielle Plattformen üblicherweise bieten.
Um die CPU herum: bis zu 128 GB DDR4-2666 auf vier SO-DIMM-Sockeln, ein M.2-NVMe-Steckplatz, vier im laufenden Betrieb tauschbare 2,5-Zoll-SATA-Einschübe mit bis zu 4 TB und vier PCIe-Steckplätze (einmal x16, dreimal x4, volle Baulänge, halbe Bauhöhe).
Die Netzteile sind modular. Wählbar sind ein DC-Modul für 16,6 bis 160 V DC mit 100 W oder ein HVDC/AC-Modul für 100 bis 240 V AC oder DC mit 150 W, jeweils einzeln oder als redundantes Paar. Das redundante Paar ist im laufenden Betrieb tauschbar, und die beiden Module müssen nicht identisch sein.
Beim Netzwerk ist die Maschine für ihre Klasse ungewöhnlich großzügig ausgestattet: acht Kupfer-Ports (RJ45) mit 2,5 Gbit/s, alle on board, auf Basis des Intel I226-IT. Alle acht Ports setzen Zeitstempel in Hardware nach IEEE 1588-2008 (PTPv2) und liefern damit die Grundlage für Zeitsynchronisation nach dem Power Profile IEC/IEEE 61850-9-3, ohne dass dafür ein PCIe-Steckplatz belegt werden muss. Dazu kommen zwei galvanisch getrennte serielle Schnittstellen, fünf USB 3.0, drei DisplayPort-Ausgänge und TPM 2.0. Das Out-of-Band-Management läuft über Intel AMT. Fernzugriff auf die Stromversorgung und KVM-Umleitung stehen damit auch dann zur Verfügung, wenn das Betriebssystem nicht mehr läuft.
Softwareseitig ist die Plattform für Red Hat Enterprise Linux 9 Real Time zertifiziert, RHEL 10 läuft ebenfalls. Vorinstalliert lieferbar sind SEAPATH, RHEL, Ubuntu, Debian, Windows und Windows Server.
Wo er stark ist
- Keine beweglichen Teile. In einem Umspannwerk ist das kein Marketingsatz. Lüfter sind Verschleißteile. Sie brauchen Filter, die Filter brauchen einen Wechsel, und ein Lüfterausfall in einer nicht ständig besetzten Anlage 90 Minuten vom nächsten Stützpunkt entfernt bedeutet einen Serviceeinsatz vor Ort. Lüfterlos streicht eine komplette Wartungskategorie.
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Temperaturreserve. −40 bis +70 °C deckt praktisch jede Umgebung in Umspannwerk und Schaltanlage ab, auch unklimatisierte Relaishäuser und Schränke, die im August die Nachmittagssonne einer Westwand abbekommen.
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Kupfer-Ports, und davon reichlich. Acht 2,5-GbE-Ports on board mit Hardware-Zeitstempel bedeuten, dass viele Auslegungen ganz ohne Netzwerkkarte auskommen. Stationsbus, Management, redundante Verbindungen und zwei Reserveports, ohne einen PCIe-Steckplatz zu belegen.
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Flexibilität bei der Versorgung. Das DC-Modul deckt 16,6 bis 160 V DC ab und hängt damit direkt an einer 24-, 48-, 60- oder 110-V-Anlagenbatterie, ganz ohne Zwischenwandler. Für die im DACH-Raum verbreiteten 220-V-DC-Anlagen übernimmt das HVDC/AC-Modul. Und weil sich ein HVDC/AC-Modul mit einem DC-Modul kombinieren lässt, kann ein Knoten aus zwei unabhängigen Quellen gespeist werden. Fällt die Eigenbedarfs-Wechselspannung aus oder die Batterie, läuft der Server weiter.
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Unter Echtzeitbedingungen belegt. Wir haben gemeinsam mit Red Hat Latenzmessungen aus einem SEAPATH-Cluster mit drei Knoten auf dieser Plattform veröffentlicht, gefahren unter CentOS Stream 9 RT. Diese Daten sind öffentlich, und sie sind gemessen und nicht modelliert.
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Lange CPU-Verfügbarkeit. Bis 2035, was zählt, wenn der Planungshorizont für die Anlage in Jahrzehnten läuft und der Beschaffungszyklus in Jahren.
Wo es eng wird
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Speicherobergrenze. 128 GB DDR4 sind eine reale Grenze, sobald ein Dutzend VMs oder mehr mit reserviertem Speicher laufen. DDR4-2666 liefert außerdem weniger Speicherbandbreite als DDR5, und bei dichter Virtualisierung ist meist die Bandbreite der begrenzende Faktor und nicht die Kernzahl.
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Kernzahl. Sechs oder acht Kerne. Wenn Kerne fest an echtzeitfähige Schutz-VMs gebunden sind und für den Host Reserve bleiben muss, ist die Zahl der latenzkritischen Lasten pro Knoten überschaubar. Unsere eigenen Echtzeitmessungen auf dieser Plattform liefen mit über Intel TCC deaktiviertem Hyper-Threading, was bei deterministischen Lasten übliche Praxis ist. Kalkuliere deshalb mit physischen Kernen und nicht mit Threads.
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Management-Werkzeuge im Flottenbetrieb. AMT erfüllt seinen Zweck, und bei einigen Dutzend Maschinen tut es das gut. Es stammt aber aus der IT-Desktop-Welt, und wer Hunderte Knoten aus einem zentralen Managementsystem orchestriert, wird irgendwann eine REST-API wollen und keine KVM-Sitzung.
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Kein SR-IOV auf den Onboard-Ports. Der I226-IT setzt Zeitstempel in Hardware, stellt aber keine virtuellen Funktionen bereit. Weil jeder der acht Ports ein eigener Controller mit eigener PCIe-Funktion ist, lässt sich stattdessen ein kompletter Port an eine VM durchreichen. Das trägt gut, solange die Zahl der VMs mit eigenem Hardware-Pfad die Zahl der Ports nicht übersteigt. Darüber hinaus skaliert nur SR-IOV, und das gibt es beim RSAVP.
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Kein praktikabler Weg zu Beschleunigerkarten. Die PCIe-Steckplätze sind auf halbe Bauhöhe und ein moderates Leistungsbudget ausgelegt. Zeitkarten, PRP/HSR-Karten in der Low-Profile-Variante und Netzwerkadapter sind kein Problem. Eine GPU für Inferenz dagegen schon.
RSAVP: die Plattform, die alles trägt
Der RSAVP spielt in einer anderen Klasse. 19 Zoll, 3 HE, aktiv gekühlt mit industrietauglichen Hot-Swap-Lüftern, redundante Netzteile mit zwei Eingängen für 100 bis 240 V AC/DC und NVMe-Laufwerke im Wechselrahmen, alles im laufenden Betrieb tauschbar. Betriebstemperaturbereich −40 bis +55 °C, Schutzart IP30.
Drei CPU-Optionen, und die Unterschiede zwischen ihnen wiegen schwerer, als die Kernzahlen vermuten lassen:
Drei CPU-Optionen
| CPU | Kerne / Threads | Basis / Turbo | Cache | Architektur |
| Intel Xeon 6515P | 16 / 32 | 2,3 / 3,8 GHz | 72 MB | Granite Rapids P-Core |
| Intel Xeon 6736P | 36 / 72 | 2,0 / 4,1 GHz | 144 MB | Granite Rapids P-Core |
| Intel Xeon 6710E | 64 / 64 | 2,4 / 3,2 GHz | 96 MB | Sierra Forest E-Core |
Tabelle 3 – CPU-Optionen des RSAVP.
Bis zu 512 GB DDR5-5600 ECC auf acht RDIMM-Sockeln. Vier im laufenden Betrieb tauschbare 2,5-Zoll-U.2-NVMe-Einschübe mit bis zu 16 TB an PCIe Gen 4, dazu ein M.2-Steckplatz. Vier PCIe-5.0-Steckplätze, zwei davon in doppelter Breite mit einem Budget von 165 W.
Beim Netzwerk steht Glasfaser im Vordergrund: zwei 1-Gbit-SFP-Ports auf einem Intel i350-AM2 und zwei 10-Gbit-SFP+-Ports auf einem Intel X710-BM2. Beide Controller setzen Zeitstempel in Hardware nach IEEE 1588-2008, und beide beherrschen SR-IOV: der i350 mit bis zu acht virtuellen Funktionen je Port, der X710 mit bis zu 32. Für vPAC ist der zweite Punkt der wichtigere. Mit SR-IOV bekommt eine Schutz-VM einen eigenen Pfad zur Netzwerkkarte, statt ihren Datenstrom über eine Software-Bridge im Host zu schicken, und das nimmt Jitter aus dem Weg von Sampled Values und GOOSE.
Eine Randbedingung gehört dazu: Die PTP-Hardware-Uhr sitzt bei beiden Controllern in der Physical Function und nicht in den virtuellen Funktionen. Die Synchronisation läuft deshalb auf dem Host, und die VMs beziehen ihre Zeit über die Virtualisierungsschicht. So ist es auch in SEAPATH-Aufbauten üblich, es sollte in der Architektur aber bewusst gesetzt und nicht vorausgesetzt werden.
Das Management läuft über einen eigenen BMC mit IPMI und Redfish. Bemerkenswert ist vor allem Redfish, denn erst eine REST-API erlaubt es einem zentralen Managementsystem, eine Flotte von Servern im Umspannwerk als automatisierbaren Bestand zu behandeln und nicht als Liste von Maschinen, auf die sich jemand einloggt.
Die Wahl zwischen den drei CPUs
Diese Entscheidung lohnt eine saubere Überlegung, denn mehr Kerne sind bei vPAC nicht automatisch die richtige Antwort.
- Der 6515P hat die höchsten Dauertaktraten und P-Core-Architektur. Überall dort, wo die Leistung je Kern die Reserve gegenüber einer harten Auslösezeit bestimmt, ist das die stärkste Option. 16 physische Kerne sind bereits das Doppelte der größten RSAPC-Mk2-Konfiguration.
- Der 6736P ist die ausgewogene Wahl: 36 P-Cores und sehr große 144 MB Cache. Cache wirkt bei dichter Virtualisierung stärker, als viele erwarten, weil er verhindert, dass benachbarte VMs sich gegenseitig die Arbeitsdaten verdrängen. Wer harten Echtzeitschutz und alles Übrige auf einer Maschine haben will, findet hier den Mittelweg.
- Der 6710E bringt 64 E-Cores ohne Hyper-Threading, und gerade das ist für Echtzeitanwendungen ein Vorteil und keine Einschränkung. Jeder Kern ist ein physischer Kern, Isolation und Pinning werden dadurch einfacher, und es gibt keine Konkurrenz zwischen Geschwister-Threads, die man mitdenken müsste. Für maximale VM-Dichte, die Konsolidierung eines kompletten Umspannwerks und KI- oder ML-Inferenz ist er die richtige Wahl.
Kurz gefasst: 6515P für Latenzreserve, 6736P für Ausgewogenheit, 6710E für Dichte.
Wo er stark ist
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Er trägt ein komplettes Umspannwerk. Mit 64 Kernen und 512 GB Speicher ist nicht mehr das Gerät die Grenze, sondern Deine Architektur.
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Beschleunigerkarten sind wirklich eine Option. Zwei doppelt breite PCIe-5.0-Steckplätze mit je 165 W reichen für ernsthafte Inferenz-Hardware. Die Spezifikation der Alliance verlangt 40 mm Kartenabstand ausdrücklich, um Netzwerkerweiterungen wie die HSR/PRP Time-aware Redbox-DAN PCIe-Karte und ML-Beschleunigung unterzubringen, und diese Auslegung berücksichtigt das.
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SR-IOV bis in die VM. Bis zu 32 virtuelle Funktionen je 10-Gbit-Port und bis zu acht je 1-Gbit-Port bedeuten, dass jede latenzkritische VM ihren eigenen Hardware-Pfad zum Netz bekommt. Das ist der Unterschied zwischen einer Konsolidierung, die auf dem Papier funktioniert, und einer, die auch unter Last die Zeitanforderungen hält.
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Redfish und IPMI. Zentrales Management, Fernwiederherstellung, Firmware-Rollout und Konsolenzugriff auf eine Maschine, die nicht mehr bootet. Damit wird aus einem Umspannwerk ein verwaltbarer Rechenstandort statt eines Orts, zu dem man hinfahren muss.
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Servicefreundlichkeit vor Ort. Lüfter, Netzteile und Laufwerke sind im laufenden Betrieb tauschbar. Profile Level 4 fordert vor Ort tauschbare Lüfter, Datenträger und Netzteile ausdrücklich, und genau darauf ist das Gerät ausgelegt.
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Speicher, der mithält. Dieselben vier Einschübe wie beim Mk2, aber U.2 NVMe und bis zu 16 TB. Das verändert, was bei Störschrieben, PMU-Archiven und lokaler Vorhaltung zwischen zwei Abrufen realistisch ist.
Wo du dafür bezahlst
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Lüfter. Im laufenden Betrieb tauschbar und in Industriequalität, aber eben bewegliche Teile, und sie bringen einen Wartungsplan mit. Wenn bei Dir eine strikte Lüfterlos-Vorgabe für Anlagentechnik gilt, endet die Diskussion hier und der Mk2 ist die Antwort.
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+55 °C statt +70 °C. Fünfzehn Grad sind kein Rundungsfehler. In einem unklimatisierten Relaisraum in warmer Lage solltest Du die tatsächliche Schranktemperatur prüfen, bevor Du das für unkritisch hältst.
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Einbautiefe und Bauhöhe. 455 mm tief und 3 HE hoch gegenüber 302 mm und 2 HE. Schaltanlagenschränke sind häufig flacher als Rechenzentrums-Racks, und die Einbautiefe ist der Wert, der diese Frage meist entscheidet, bevor überhaupt jemand auf die CPU schaut. Erst messen.
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Leistungsaufnahme und Wärme. Mehr Rechenleistung heißt mehr Verlustwärme im selben Raum. Ein Gespräch mit den Kollegen wert, die Klimatisierung und Batterieauslegung verantwortet haben.
Gegenüberstellung
| Merkmal | RSAPC Mk2 | RSAVP |
| vPAC Profile Level | Level 2 | Level 4 |
| Kühlung | Lüfterlos, passiv | Aktiv, Hot-Swap-Lüfter |
| Bauform | 19 Zoll, 2 HE | 19 Zoll, 3 HE |
| Einbautiefe | 302 mm | 455 mm |
| Betriebstemperatur | −40 °C bis +70 °C | −40 °C bis +55 °C |
| CPU-Optionen | 6 oder 8 Kerne (Xeon W) | 16, 36 oder 64 Kerne (Xeon 6) |
| Arbeitsspeicher | Bis 128 GB DDR4-2666 | Bis 512 GB DDR5-5600 ECC |
| Speicher | 4 × 2,5 Zoll SATA, bis 4 TB | 4 × 2,5 Zoll U.2 NVMe, bis 16 TB |
| PCIe | 1 × x16 und 3 × x4, halbe Bauhöhe | 4 × Gen5, davon 2 doppelt breit mit 165 W |
| Netzwerk on board | 8 × 2,5 GbE Kupfer | 2 × 1G SFP, 2 × 10G SFP+ |
| Netzwerk-Controller | 8 x Intel I226-IT | Intel i350-AM2 und Intel X710-BM2 |
| Zeitsynchronisation | IEEE 1588v2 Hardware-Zeitstempel auf allen acht Ports | IEEE 1588v2 Hardware-Zeitstempel auf allen vier Ports |
| SR-IOV | Nicht unterstützt; Port-Durchreichung je VM möglich | Bis 8 VFs je 1G-Port, bis 32 VFs je 10G-Port |
| Out-of-Band-Management | Intel AMT | IPMI und Redfish |
| Netzteile | redundantes Paar, Hot-Swap; DC 16,6 bis 160 V oder HVDC/AC 100 bis 240 V AC/DC, mischbar | redundantes Paar, Hot-Swap; zwei Eingänge 100 bis 240 V AC/DC |
| Beschleunigerkarten | nicht praktikabel | unterstützt |
Tabelle 4 – Direkter Vergleich von RSAPC Mk2 und RSAVP.
Und welcher jetzt?
Nimm den RSAPC Mk2, wenn Umspannwerk oder Schaltanlage klein bis mittelgroß sind, wenn lüfterloser Betrieb Vorgabe und nicht Vorliebe ist, wenn die Schranktemperatur hoch ausfällt, wenn die Einbautiefe knapp ist oder wenn die Aufgaben auf der Stationsebene liegen und nicht auf der Feldebene: Gateway, HMI, Fernwirkunterstation, Firewall, Angriffserkennung nach § 11 Abs. 1e EnWG, Zustandsüberwachung. Er ist außerdem die natürliche Wahl für Retrofits im Bestand, wenn eine Rechenplattform in eine Anlage kommt, die nie dafür ausgelegt war.
Nimm den RSAVP, wenn Du ein großes Umspannwerk auf wenige Knoten konsolidierst, wenn sich Schutztechnik und alles Übrige eine Plattform teilen, wenn KI, ML oder Analytik auf der Roadmap stehen, wenn Du Beschleunigerkarten brauchst oder wenn Du einen Anlagenpark zentral betreibst und Redfish in Deiner Automatisierungskette haben willst. Digitale Umspannwerke im Neubau und zentralisierte Schutz- und Leitkonzepte weisen hierhin.
Ein praktischer Hinweis zur Beschaffung: Die CPUs des Mk2 sind bis 2035 zugesagt, die veröffentlichten Xeon-6-Optionen bis 2031 beziehungsweise 2032. Beide erfüllen die zehn Jahre Mindestverfügbarkeit, die die Spezifikation der Alliance fordert. Wenn Dein Standardisierungshorizont aber ungewöhnlich lang angesetzt ist, ist das eine reale Eingangsgröße.
Oft lautet die Antwort „beide“
Hier wird regelmäßig etwas übersehen, das direkt aus der Spezifikation kommt.
Die vPAC-Hardwarearchitektur ist als Verbund hyperkonvergenter Server beschrieben, in dem jede Maschine eigene Rechenleistung, eigenen Speicher und eigenes Netzwerk mitbringt und PAC-Funktionen übernehmen kann, ohne auf die anderen angewiesen zu sein. Und die Spezifikation sagt ausdrücklich, dass ein solcher Verbund Server unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Hersteller, Modelle, Größen und Profile Levels enthalten darf. Heterogene Cluster sind keine Notlösung. Sie sind so vorgesehen.
Damit werden Architekturen interessant, über die nachzudenken sich lohnt:
● RSAVP als primäres Rechenpaar, RSAPC Mk2 als dritter Knoten für Quorum und leichtere Lasten, in einem Umspannwerk, das Level-4-Leistung braucht, aber nicht drei Level-4-Maschinen.
● RSAVP im Übertragungsnetz, RSAPC Mk2 im Verteilnetz, mit denselben Images, derselben Virtualisierungsschicht und denselben Werkzeugen über den gesamten Anlagenpark. Ein Betriebsmodell, zwei Hardwaregrößen.
● RSAPC Mk2 für segmentierte Schutz- und Leittechnik, wenn ein Netzbetreiber die Schutzfunktionen bewusst auf kleinere Maschinen verteilt, statt sie zu konzentrieren. Genau diesen Anwendungsfall beschreibt die Spezifikation für die unteren Profile Levels.
Weil beide Plattformen in derselben Spezifikation stehen und denselben Software-Stack fahren, ist ihre Mischung eine Frage der Dimensionierung je Standort und keine Verzweigung in Deiner Architektur. Das wiegt mehr als jede einzelne Zeile in einem der beiden Datenblätter.
Die Kurzfassung
Der RSAPC Mk2 ist die lüfterlose, für weite Temperaturbereiche ausgelegte und feldgehärtete Plattform für Virtualisierung auf der Stationsebene sowie für kleine und mittlere Umspannwerke und Schaltanlagen. Der RSAVP ist die dichte, beschleunigerfähige und über Redfish verwaltbare Plattform für große Anlagen und die vollständige vPAC-Konsolidierung.
Keiner ersetzt den anderen, und die Profile Levels der Alliance existieren genau deshalb, damit niemand eine Maschine zu beiden Aufgaben zwingen muss. Gemeinsam ist beiden, dass sie von Anfang an für diese Umgebung entwickelt wurden, mit Virtualisierung im Lastenheft und einer Bauteilauswahl, die zur Umgebung passt, und nicht in einer späteren Revision. Deshalb läuft die Entscheidung zwischen ihnen auf die Dimensionierung hinaus und nicht auf die Frage, ob die Plattform überhaupt in ein Umspannwerk gehört.
Wenn Du das für ein konkretes Umspannwerk durchgehst, führen vier Fragen meist schneller zum Ziel als ein Datenblatt: Wie tief ist der Schrank, wie hoch wird die Schranktemperatur im ungünstigsten Fall, wie viele latenzkritische VMs brauchst Du tatsächlich auf einem Knoten, und verwaltest Du zehn Maschinen oder zweihundert?